Albanien intern


Von der "Blutrache" bis zum "Weißen Fleck auf der Landkarte Europas", manche Stereotypen halten sich in Bezug auf Albanien hartnäckig. Das liegt auch daran, dass die Auswahl an Informationen und Medien nach wie vor begrenzt ist. Als informativer Einstieg mag Manchem unsere Webseite oder das Stichwort "Albanien" bei Wikipedia mit weiterführenden Links genügen. Wer vor seinem Besuch mehr wissen will, und sich gerne Zeit zum Lesen nimmt, dem möchten wir an dieser Stelle auch den Literaturvertrieb der Deutsch-Albanischen Freundschaftsgesellschaft (DAFG) empfehlen.

In Albanien sieht man das kulturhistorische Erbe und die traditionelle Gastfreundschaft als die Hauptattraktionen. Man ist stolz darauf, dass einige der römischen Kaiser illyrischen Ursprungs waren (Albaner bezeichnen die Illyrer als ihre historischen Vorfahren), dass der Nationalheld Skanderbeg Westeuropa vor der türkischen Invasion bewahrt hat, oder dass auch Friedensnobelpreisträgerin Mutter Tereza eine ethnische Albanerin war.

Das kleine Land war politisch lange abgeschieden und isoliert - eine Welt für sich, wie kaum woanders. Dies gilt oft heute noch, und verspricht alleine schon deshalb, zu einem besonderen Reiseerlebnis zu werden. Und der albanischen Mikrokosmos hält tatsächlich eine erstaunliche Vielfalt an Überraschungen bereit. Kaum ein Albanienbesucher, der das Land mit seinen Bewohnern nicht hoch zufrieden, mit viel Lob und weniger Vorurteilen wieder verlässt.

Ohne den persönlichen Besuch zeigt das Albanien-Puzzle nur ein grobes Zerrbild. Ein gutes Beispiel ist die Statistik zur Religion in Albanien: "70% Muslime" heißt es da, meist kommentarlos. Es fehlt der Hinweis, dass kaum ein Drittel der albanischen Bevölkerung bis heute irgendeine Religion praktiziert. Bis vor der Wende war dies verboten, Gotteshäuser waren umfunktioniert (z.B. in Lagerhallen) oder wurden zerstört, Geistliche sassen im Gefängnis. Die meist friedliche Koexistenz von Islam und Christentum (orthodox in Süden, katholisch im Norden) in diesem Gebiet reicht bis ins Mittelalter zurück, und hatte auch während der osmanischen Zeit Bestand. Die großen, albanischen Familien vereinen heute in der Regel verschiedene Religionen gleichzeitig - ein Land, in dem mit Religion nur schwer Politik zu machen ist.

Aus dem albanischen Alltag:

Jeden Morgen geschieht in den Innenhöfen Tiranas ein kleines Wunder. Parkplätze sind rar, am Abend blockieren die Fahrzeuge der Anwohner jeden Winkel. Ein magisches Schauspiel, wenn sich dieses Geflecht früh am Morgen wie von Geisterhand wieder auflöst - um auf den Straßen von Tirana auf Tuchfühlung zu gehen.


Auch der Landesname Albanien lädt dazu ein, hinter die Kulissen zu schauen: Wer kennt nicht den Karl May - Band "Durch das Land der Skipetaren"? Er greift dabei den Namen auf, mit dem sich die Albaner selbst bezeichnen, ihr Land nennen sie "Shqipëria". Da "Shqiponje" das albanische Wort für Adler ist, und dieser sich mit zwei Köpfen auf der Staatsflagge präsentiert, hat sich das Bild vom "Land der Adlersöhne" verbreitet. Ursprünglich kommt der Name aber vermutlich von "shqip" ("sprechen"), im Sinne einer Sprachgemeinschaft in heutigen (Süd-)Albanien, wo neben Albanisch u.a. die offiziellen Sprachen Türkisch und Griechisch kursierten.

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